Berater-Trainer-Freelancer – Es gibt keinen Quick-Fix aus der Corona Krise

Wenn Sie einen Quick-Fix, ein Wundermittel oder eine Silver-Bullet suchen, lesen Sie bitte nicht weiter.

Ich bekam einen Brief von einem Kollegen, dessen Publikationen über viele Jahre meine Tätigkeit als Berater und Personalentwickler für Unternehmen begleitet haben. Dr. Rolf Stiefel’s vierteljährliche Aussendung der MAO Informationsbriefe (es waren lange Briefe 😉) hat die PE Szene in der DACH Region über Jahrzehnte geprägt. Er war wohl einer der Ersten, der systematisch Geschäftsmodelle für „Solos“ (z.B. Solo als Berater, 2004) entwickelte. Damals gab es den Begriff Freelancer noch nicht, auch war der Begriff EPU (Einpersonenunternehmen) nicht bekannt. Er hatte früh erkannt, das Solos sich klar im Markt positionieren und zu ihnen persönlich passende Geschäftsstrategien entwickeln müssen.

In seinem Brief, es ist wirklich ein Brief, der auf Papier mit Umschlag und Marke kam, wies er auf sein dieses Jahr neu erschienene Buch hin (Erfolgreich als Solo-Trainer und Berater). Er hat sich zwar in seiner Publikationstätigkeit der Digitalisierung verweigert, kein Newsletter per Email, kein Blog oder gar Vlog, aber er ist in keiner Form verstaubt. Fachlich solide, mit scharfer Logik und noch schärferer Zunge.

Möglicherweise sind Sie aber weniger an einem Rückblick als einem Ausblick interessiert. Erwarten Sie sich hier keine Wunder oder einen Quick-Fix, wenn Sie momentan massive Geschäftsausfälle als Trainer oder Berater haben. Für diese müssen Sie zu den Wunderheilern, die über Twitter, LinkedIn oder XING mit drei Tipps Ihr Geschäftsmodell auch in der Krise in eine Goldgrube verwandeln.

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Dr. Günther Singer – vBlog 8 Minuten

PROBLEMSITUATION
Vorab die Problemsituation. Diese ist nicht neu oder einmalig. In jeder Wirtschaftskrise gibt es bei mindestens 90% aller Unternehmen folgenden Reflex: Alle variablen Kosten, die unterjährig keine Rendite erzielen, werden gestrichen. Dies dient erstens zur Sicherstellung der Liquidität und zweitens zur Rettung der Jahresbilanz. Zu diesen variablen Kosten zählen Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen für Mitarbeiter. Bevor Sie noch das Wort Krise aussprechen können, muss HR (aka Personalabteilung) diese bereits stornieren. Dies ist der Moment, wo der externe Trainer oder Personalentwickler je nach der Robustheit seines Geschäftsmodells blass wird oder neue Chancen sieht. Mehr dazu später.

Ich kann ja gut verstehen, dass Unternehmen, die existenziell bedroht sind die Trainings- und Entwicklungstätigkeiten einstellen. Überleben geht vor Entwickeln! Was ich aber von Krise zu Krise immer wieder sehe, ist, dass auch sehr viele Unternehmen, die „tiefe Taschen“ haben, das Gleiche tun. Die Gründe sind hier vielschichtig. Grund Nummer eins ist wohl Angst. Grund Nummer zwei ist es, dem Eigentümer oder der Konzernmutter gegenüber als Shareholder orientierter Krisenmanager dazustehen, der entschieden handelt. Und hier liegt auch die Wurzel des Problems. Man hat Trainings- und Personalentwicklungsmaßnahmen in der Regel als „nice to have“ eingestuft. Die wenigsten betrachteten sie als strategieumsetzend. Sie würden sich sonst hüten, diese unmittelbar abzusagen. Es wäre ja unklug, Entwicklungsmaßnahmen zu stornieren, welche die Unternehmensstrategie umsetzen.

Aber es gibt ja auch die 10% der Unternehmen, die die Chance nützen und die freien Kapazitäten der Mitarbeiter für Entwicklungsmaßnahmen nutzen. Das fördert die Motivation, erhöht die Mitarbeiterbindung für die Zeit nach der Krise und lässt mit besseren Kompetenzen voll durchstarten. Die Automobilbranche hat dies in der DACH Region in vorbildlicher Weise bei der letzten großen Krise vor 12 Jahren gemacht.

WAS BEDEUTET DAS FÜR MICH?
Was bedeutet dies nun für den Solo, der als EPU mit diesem Markt konfrontiert ist, der sich unmittelbar um zumindest 80% verkleinert.

  1. Wenn Sie ein Business Portfolio haben, das nicht nur aus Trainings und nice to have Beratungsthemen besteht, ist das nicht kritisch. Die anderen Portfolioteile, die hoffentlich krisenresistenter gewählt waren, tragen Sie durch das Jahr.
  2. Sollten Sie substanziell von Schönwetterberatung und Trainingsaufträgen abhängen, aber substanzielle finanzielle Rücklagen haben oder eine(n) Partner(in), der/die Sie querfinanziert, dann genießen Sie entweder die 6-18-monatige Pause oder/und machen ein Sabbatical.
  3. Sollten Ihre Rücklagen nicht länger als 3-6 Monate die Rechnungen bezahlen, dann haben Sie ein Problem. Die Ursache hierfür ist nicht die Krise, sie ist lediglich der Auslöser, sondern ihr Geschäftsmodell, das nicht ausreichend robust ist.

AUS DER KRISE – NÄCHSTE SCHRITTE
Wie komme ich nun aus der für mich kritischen Situation? Das ist eine einfache Frage auf, die es keine einfache Antwort gibt. Es ist leichter zu sagen, wie Sie nicht aus der Situation kommen. Selbstmitleid bringt gar nichts, Corona Hilfen von der Regierung lindern den Schmerz und verzögern möglicherweise entschlossenes Handeln.

Was ich Ihnen empfehlen kann, sind die folgenden Schritte:

  1. Passen Sie ihre Ausgaben radikal so an, dass Sie 6-12 Monate „Luft“ haben. Gehen Sie vorsichtig mit Reserven um.
  2. Machen Sie einen Neuentwurf Ihres Geschäftsmodells mit mehreren unabhängigen Einkommensströmen. Ziel ist es nicht, den Gewinn zu optimieren, sondern Ihre Robustheit zu stärken, denn eines ist sicher: Das ist nicht die letzte Krise.
  3. Prüfen Sie dieses Modell mit kompetenten Personen Ihres Vertrauens und/oder einem Berater oder Coach. Dadurch vermeiden Sie es, am eigenen blinden Fleck zu scheitern.
  4. Besprechen Sie das Modell in Ihrer Familie und holen Sie sich Unterstützung.
  5. Setzen Sie Ihr neues Business Modell unmittelbar um.

Achten Sie bitte bei der der Entwicklung Ihres Business Modells besonders auf Ihre herausragenden Skills und Stärken. Was gibt Ihnen Energie? Wobei empfinden Sie Flow? Wenn Sie das mit Opportunitäten des Marktes in Einklang bringen, ist ein nachhaltiger Erfolg wahrscheinlich.

REFERENZEN
Stiefel, Rolf H. (2004) Solo als Berater – Geschäftsideen für Solo-Berater. St. Gallen, MAO-Press.

Stiefel, Rolf H. (2020) Erfolgreich als Solo-Trainer und Berater – Geschäftsideen für Solo-Unternehmer in der PE und FKE. EHP-Verlag.

Wenn Sie einen Quick-Fix, ein Wundermittel oder eine Silver-Bullet suchen, lesen Sie bitte nicht weiter.

Ich bekam einen Brief von einem Kollegen, dessen Publikationen über viele Jahre meine Tätigkeit als Berater und Personalentwickler für Unternehmen begleitet haben. Dr. Rolf Stiefel’s vierteljährliche Aussendung der MAO Informationsbriefe (es waren lange Briefe 😉) hat die PE Szene in der DACH Region über Jahrzehnte geprägt. Er war wohl einer der Ersten, der systematisch Geschäftsmodelle für „Solos“ (z.B. Solo als Berater, 2004) entwickelte. Damals gab es den Begriff Freelancer noch nicht, auch war der Begriff EPU (Einpersonenunternehmen) nicht bekannt. Er hatte früh erkannt, das Solos sich klar im Markt positionieren und zu ihnen persönlich passende Geschäftsstrategien entwickeln müssen.

In seinem Brief, es ist wirklich ein Brief, der auf Papier mit Umschlag und Marke kam, wies er auf sein dieses Jahr neu erschienene Buch hin (Erfolgreich als Solo-Trainer und Berater). Er hat sich zwar in seiner Publikationstätigkeit der Digitalisierung verweigert, kein Newsletter per Email, kein Blog oder gar Vlog, aber er ist in keiner Form verstaubt. Fachlich solide, mit scharfer Logik und noch schärferer Zunge.

Möglicherweise sind Sie aber weniger an einem Rückblick als einem Ausblick interessiert. Erwarten Sie sich hier keine Wunder oder einen Quick-Fix, wenn Sie momentan massive Geschäftsausfälle als Trainer oder Berater haben. Für diese müssen Sie zu den Wunderheilern, die über Twitter, LinkedIn oder XING mit drei Tipps Ihr Geschäftsmodell auch in der Krise in eine Goldgrube verwandeln.

PROBLEMSITUATION
Vorab die Problemsituation. Diese ist nicht neu oder einmalig. In jeder Wirtschaftskrise gibt es bei mindestens 90% aller Unternehmen folgenden Reflex: Alle variablen Kosten, die unterjährig keine Rendite erzielen, werden gestrichen. Dies dient erstens zur Sicherstellung der Liquidität und zweitens zur Rettung der Jahresbilanz. Zu diesen variablen Kosten zählen Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen für Mitarbeiter. Bevor Sie noch das Wort Krise aussprechen können, muss HR (aka Personalabteilung) diese bereits stornieren. Dies ist der Moment, wo der externe Trainer oder Personalentwickler je nach der Robustheit seines Geschäftsmodells blass wird oder neue Chancen sieht. Mehr dazu später.

Ich kann ja gut verstehen, dass Unternehmen, die existenziell bedroht sind die Trainings- und Entwicklungstätigkeiten einstellen. Überleben geht vor Entwickeln! Was ich aber von Krise zu Krise immer wieder sehe, ist, dass auch sehr viele Unternehmen, die „tiefe Taschen“ haben, das Gleiche tun. Die Gründe sind hier vielschichtig. Grund Nummer eins ist wohl Angst. Grund Nummer zwei ist es, dem Eigentümer oder der Konzernmutter gegenüber als Shareholder orientierter Krisenmanager dazustehen, der entschieden handelt. Und hier liegt auch die Wurzel des Problems. Man hat Trainings- und Personalentwicklungsmaßnahmen in der Regel als „nice to have“ eingestuft. Die wenigsten betrachteten sie als strategieumsetzend. Sie würden sich sonst hüten, diese unmittelbar abzusagen. Es wäre ja unklug, Entwicklungsmaßnahmen zu stornieren, welche die Unternehmensstrategie umsetzen.

Aber es gibt ja auch die 10% der Unternehmen, die die Chance nützen und die freien Kapazitäten der Mitarbeiter für Entwicklungsmaßnahmen nutzen. Das fördert die Motivation, erhöht die Mitarbeiterbindung für die Zeit nach der Krise und lässt mit besseren Kompetenzen voll durchstarten. Die Automobilbranche hat dies in der DACH Region in vorbildlicher Weise bei der letzten großen Krise vor 12 Jahren gemacht.

WAS BEDEUTET DAS FÜR MICH?
Was bedeutet dies nun für den Solo, der als EPU mit diesem Markt konfrontiert ist, der sich unmittelbar um zumindest 80% verkleinert.

  1. Wenn Sie ein Business Portfolio haben, das nicht nur aus Trainings und nice to have Beratungsthemen besteht, ist das nicht kritisch. Die anderen Portfolioteile, die hoffentlich krisenresistenter gewählt waren, tragen Sie durch das Jahr.
  2. Sollten Sie substanziell von Schönwetterberatung und Trainingsaufträgen abhängen, aber substanzielle finanzielle Rücklagen haben oder eine(n) Partner(in), der/die Sie querfinanziert, dann genießen Sie entweder die 6-18-monatige Pause oder/und machen ein Sabbatical.
  3. Sollten Ihre Rücklagen nicht länger als 3-6 Monate die Rechnungen bezahlen, dann haben Sie ein Problem. Die Ursache hierfür ist nicht die Krise, sie ist lediglich der Auslöser, sondern ihr Geschäftsmodell, das nicht ausreichend robust ist.

AUS DER KRISE – NÄCHSTE SCHRITTE
Wie komme ich nun aus der für mich kritischen Situation? Das ist eine einfache Frage auf, die es keine einfache Antwort gibt. Es ist leichter zu sagen, wie Sie nicht aus der Situation kommen. Selbstmitleid bringt gar nichts, Corona Hilfen von der Regierung lindern den Schmerz und verzögern möglicherweise entschlossenes Handeln.

Was ich Ihnen empfehlen kann, sind die folgenden Schritte:

  1. Passen Sie ihre Ausgaben radikal so an, dass Sie 6-12 Monate „Luft“ haben. Gehen Sie vorsichtig mit Reserven um.
  2. Machen Sie einen Neuentwurf Ihres Geschäftsmodells mit mehreren unabhängigen Einkommensströmen. Ziel ist es nicht, den Gewinn zu optimieren, sondern Ihre Robustheit zu stärken, denn eines ist sicher: Das ist nicht die letzte Krise.
  3. Prüfen Sie dieses Modell mit kompetenten Personen Ihres Vertrauens und/oder einem Berater oder Coach. Dadurch vermeiden Sie es, am eigenen blinden Fleck zu scheitern.
  4. Besprechen Sie das Modell in Ihrer Familie und holen Sie sich Unterstützung.
  5. Setzen Sie Ihr neues Business Modell unmittelbar um.

Achten Sie bitte bei der der Entwicklung Ihres Business Modells besonders auf Ihre herausragenden Skills und Stärken. Was gibt Ihnen Energie? Wobei empfinden Sie Flow? Wenn Sie das mit Opportunitäten des Marktes in Einklang bringen, ist ein nachhaltiger Erfolg wahrscheinlich.

Quellen-Referenzen
Stiefel, Rolf H. (2004) Solo als Berater – Geschäftsideen für Solo-Berater. St. Gallen, MAO-Press.

Stiefel, Rolf H. (2020) Erfolgreich als Solo-Trainer und Berater – Geschäftsideen für Solo-Unternehmer in der PE und FKE. EHP-Verlag.

Stiefel, Rolf H. (1979-2017) Management-Andragogik und Organisationsentwicklung (MAO) Ein Informationsbrief für Führungskräfte, die sich für Lernen, Entwicklung und Wandel von und in Organisationen interessieren und engagieren. St. Gallen, MAO-Press. http://www.stiefel-rolf-th.ch/mao_info.htm